Der Koffer der Adele Kurzweil

von Thilo Reffert und Manfred Theisen nach dem Jugendbuch »Der Koffer der Adele Kurzweil« von Manfred Theisen Uraufführung Graz 2020

Geschichte passiert nicht. Sie wird gemacht. Und wenn sie lange genug her ist, wird sie vergessen. Es sei denn, Geschichte wird erzählt. Adele Kurzweil wäre heute vergessen, hätte man nicht ihren Koffer gefunden auf dem Dachboden des Rathauses von Auvillar in Südfrankreich.

Dieser Koffer, voll im Vintage-Trend, könnte auch heute gepackt werden – für eine Geschäftsreise oder ein langes Wochenende in Paris ... oder für eine Flucht ins Ungewisse. 80 Jahre ist es her, da musste die 13-jährige Adele ihren Koffer packen und ihre Heimat, Graz verlassen, auf unbestimmte Zeit, mit ungewissem Ziel.

Hunderttausende waren wie sie und ihre Eltern auf der Flucht, im Gepäck wenig mehr als Erinnerungen und die Hoffnung auf ein besseres Morgen. Adele träumte davon, Modezeichnerin zu werden, drüben in Amerika, zu Füßen der Freiheitsstatue. Ihre Flucht führte sie über die Schweiz nach Paris und bis hinunter nach Südfrankreich. Hier erlebte Adele eine ungewöhnliche Geschichte, die sich heute wie ein Krimi zugleich und eine Liebesgeschichte erzählen lässt: Wie viel Jugend und wie viel Glück ist möglich auf dem schwanken Boden des Exils?

Der Koffer, heute in einer Ausstellung in Graz zu sehen, hat die Reise der Familie Kurzweil mitgemacht – bis auf die letzte Etappe, die in das Vernichtungslager Auschwitz führte, in den Tod. Damals war der Koffer ein stummer Begleiter des Mädchens, heute ist er der letzte Zeuge und kann uns helfen, Geschichte zu erzählen, damit sie nicht vergessen wird.